Ford & Toyota dominieren, Renault & Nissan/Mercedes steigen aus
„Der Versuch, die Europäer von Pick-ups zu überzeugen, war ein Fehler“, meint JATO-Analyst Felipe Munoz. Aber stimmt das wirklich?
In den USA sind Pick-ups äußerst beliebt und werden sowohl im Berufsalltag als auch in der Freizeit genutzt – was sich deutlich in den Verkaufszahlen widerspiegelt. In Europa sieht die Situation jedoch anders aus. Viele Menschen bevorzugen kleinere, günstigere und praktischere Fahrzeuge für den Alltag und sehen Pick-ups eher selten als Freizeitfahrzeuge.
Eine aktuelle Analyse von JATO Dynamics zeigt, dass sich der europäische Pick-up-Markt deutlich verändert.
Ford und Toyota dominieren das Segment, während Renault, Nissan und Mercedes den Markt verlassen.
Obwohl Renault und Mercedes 2017 mit dem Alaskan bzw. der X-Klasse optimistisch in den Markt einstiegen, führte dies nicht zum erwarteten Wachstum des Pick-up-Segments. Im ersten Quartal blieb der Ford Ranger Europas meistverkaufter Pick-up.
Da sich der europäische Markt nicht wie erwartet entwickelte, entschieden sich mehrere Hersteller dazu, sich aus diesem Segment zurückzuziehen. Damit blieben Ford und Toyota als einzige Marken mit konstant starken Verkaufszahlen übrig.
Laut JATO Dynamics machten Pick-ups im vergangenen Jahr lediglich 6,9 % des europäischen Marktes für leichte Nutzfahrzeuge (LCV) aus. Es wurden 116.280 Fahrzeuge verkauft – weniger als 2017. Obwohl für 2018 mehr als 200.000 Verkäufe prognostiziert wurden, erreichte der Markt lediglich 165.785 Fahrzeuge und fiel 2019 erneut auf 159.280 Einheiten zurück.
Renault und Mercedes verließen den Pick-up-Markt, nachdem sie keine nennenswerten Verkaufszahlen erzielen konnten.
Der Renault Alaskan und die Mercedes-Benz X-Klasse wurden gemeinsam mit dem Nissan Navara im Nissan-Werk in Barcelona produziert. Ziel war es, die Präsenz der Nissan-Plattform auf dem europäischen Markt auszubauen.
Die Entscheidung von Nissan, das Werk in Barcelona zu schließen, wirft Fragen zur Zukunft des Navara auf. Laut JATO belegte das Modell im ersten Halbjahr Platz vier der meistverkauften Pick-ups Europas. Zwar wird der überarbeitete Navara weiterhin in Thailand produziert, doch ist derzeit nicht geplant, diese Version auf den europäischen Markt zu bringen.
Auch Mitsubishi könnte sich aus Europa zurückziehen.
2020 kündigte Mitsubishi den Rückzug aus Europa an, blieb jedoch in ausgewählten Märkten aktiv und bestätigte gleichzeitig, dass ab 2023 Renault-Modelle unter der Marke Mitsubishi angeboten werden.
Ob der Mitsubishi L200 weiterhin in Europa verkauft wird, ist derzeit unklar. Das Modell belegte im ersten Halbjahr den dritten Platz der europäischen Pick-up-Verkäufe. Ein Unternehmenssprecher betonte jedoch, dass der L200 bereits die aktuellen Euro-6d-temp-Abgasnormen erfüllt. Mitsubishi versuchte außerdem, den L200 im Rahmen einer Kooperation an Fiat zu liefern – allerdings ohne Erfolg.
Ford baut seine Marktführerschaft weiter aus.
Der Rückzug mehrerer Wettbewerber kommt Ford zugute. Der Ranger war im ersten Halbjahr erneut Europas meistverkaufter Pick-up, gefolgt vom Toyota Hilux.

Ford bietet den Ranger als Single Cab, Super Cab und Double Cab an. Im ersten Halbjahr entschieden sich jedoch 89 % der Käufer für die Double-Cab-Version mit fünf Sitzplätzen und vier Türen. 78 % davon wählten hochwertig ausgestattete Varianten wie den Wildtrak oder den Raptor – alle mit Allradantrieb.
Kunden investieren nicht nur in den Pick-up selbst, sondern auch in das passende Zubehör – und das können wir aus eigener Erfahrung bestätigen! 😄
Im kommenden Jahr bringt Ford einen neuen Ranger auf den Markt, der gemeinsam mit dem neuen Volkswagen Amarok im Rahmen der strategischen Partnerschaft zwischen beiden Herstellern entwickelt wurde. Produziert werden beide Modelle im Ford-Werk in Südafrika.
Nach einem Jahrzehnt schwacher Verkaufszahlen stellte Volkswagen die Amarok-Produktion im Werk Hannover bereits im vergangenen Jahr ein. Die Zusammenarbeit soll beiden Herstellern weltweit Vorteile bringen.
Volkswagen bestätigte außerdem, dass sich der neue Amarok optisch deutlich vom Ford Ranger unterscheiden wird.
Eine der größten Herausforderungen der Zukunft bleiben die CO₂-Emissionen. Die naheliegendste Lösung wären elektrische Pick-ups, allerdings sind diese derzeit noch deutlich teurer. Sollte Europa konsequent auf emissionsfreie Mobilität setzen, werden auch Pick-ups diesen Weg einschlagen müssen.
Würden Sie Ihren Pick-up gegen ein Elektro-Modell eintauschen?