Erste Fahrt: Fahrbericht zum Ineos Grenadier SUV
Wir freuen uns immer, wenn neue Fahrzeuge auf den Markt kommen, und noch mehr würden wir uns freuen, sie selbst fahren und ihre Fähigkeiten testen zu können. Da dies momentan jedoch nicht möglich ist, begnügen wir uns damit, die Testberichte der Glücklicheren zu lesen, die bereits eine solche Gelegenheit hatten. Und natürlich teilen wir diese Erfahrungen auch gerne mit euch.
Ein Automobilunternehmen von Grund auf aufzubauen, ist keine leichte Aufgabe. Das hat Ineos jedoch nicht davon abgehalten, den Grenadier zu entwickeln und schließlich auf den Markt zu bringen – nur sechs Jahre nachdem erstmals über einen geistigen Nachfolger des Land Rover Defender gesprochen wurde.
Die Informationen über das Fahrzeug reißen nicht ab, und die Kollegen von Professional Van (die Glücklichen ) hatten die Gelegenheit, einen Prototypen aus nächster Nähe zu erleben, den außergewöhnlichen Innenraum zu erkunden und das Modell sogar in Großbritannien zu fahren. Sie konnten außerdem an einem verschneiten Januartag in Schottland Prototypen im Gelände testen.
Die Kollegen von Professional Van weisen darauf hin, dass sie den Utility Wagon noch nicht fahren konnten. Dafür erhielten sie die Schlüssel zu einem dieselbetriebenen Trialmaster und einem benzinbetriebenen Fieldmaster Station Wagon.
Beide Ausstattungsvarianten sind Untermodelle der Belstaff-Versionen. Belstaff ist eine Bekleidungsmarke, die ebenfalls dem Ineos-Chef Sir Jim Ratcliffe gehört. Sie bieten etwas mehr Platz für die Passagiere im Fond, allerdings auf Kosten des Kofferraums. Der Utility Wagon basiert auf dem klassischen Station Wagon, verzichtet jedoch vollständig auf die hinteren Sitze, um einen großzügigen Laderaum zu schaffen.
Der Innenraum des Grenadier ähnelt keinem anderen Fahrzeug. Entworfen wurde er von Toby Ecuyer – einem Designer, der zuvor vor allem Yachten gestaltet hat – und er zieht sofort die Aufmerksamkeit auf sich. Das Fahrzeug verfügt über einen großen 12,3-Zoll-Bildschirm oben auf dem Armaturenbrett. Dabei handelt es sich jedoch nicht einfach um ein herkömmliches Navigationssystem. Die integrierte Pathfinder-Offroad-Navigation ist nicht für die Nutzung auf der Straße gedacht, zumindest nicht im klassischen Sinne. Stattdessen wurde sie für den Einsatz im Gelände entwickelt und ermöglicht es, eigene Routen und Wegpunkte festzulegen, damit man auch wieder sicher nach Hause findet.
Die Schalter über dem Kopf des Fahrers sind eines der auffälligsten Merkmale des Innenraums – und das bereits seit ihrer ersten Präsentation. Sie sind für seltener verwendete Funktionen vorgesehen und umfassen Schalter zum Sperren der Differenziale, zum Aktivieren oder Deaktivieren des Offroad-Modus sowie zum Einschalten der Bergabfahrhilfe. Dahinter befinden sich zwei Reihen vorverkabelter Zusatzschalter, über die Besitzer problemlos Zubehör wie Lichtleisten oder eine Seilwinde anschließen können. Die Kollegen von Professional Van berichten jedoch, dass die anfängliche Begeisterung für diese Schalter bei längerer Nutzung etwas nachlässt. Die Beschriftungen sind nicht besonders eindeutig, und man muss den Kopf drehen, um zu erkennen, welcher Schalter welche Funktion hat. Auch mit zunehmender Vertrautheit wurde dies nicht wesentlich besser. Die ähnlichen grauen Schalter mit kleinen Texten und Symbolen sind nur schwer voneinander zu unterscheiden, insbesondere aus einem spitzen Blickwinkel. Eine farbliche Kennzeichnung wäre hier vielleicht hilfreich gewesen, ebenso wie zusätzliche Metallbügel zum Schutz der Differenzialsperren-Schalter.
Ansonsten gibt es viele gute Nachrichten. Die Sitze sind unglaublich bequem und bieten hervorragenden Halt. Sie gehören zu den besten Sitzen, die wir bisher in einem Fahrzeug erlebt haben. Besonders praktisch ist die Oberseite der Türverkleidung, die flach und sehr breit ist – perfekt, um einen müden Ellenbogen darauf abzulegen, zumal sie sich in der richtigen Höhe befindet. Auch die Sitzposition ist hervorragend, da alle Bedienelemente zentral auf den Fahrer ausgerichtet sind und kaum eine seitliche Verschiebung vorhanden ist.
Ineos macht keinen Hehl daraus, dass der Grenadier in erster Linie wegen seiner Offroad-Fähigkeiten entwickelt wurde und man sich erst danach um sein Verhalten auf der Straße gekümmert hat. Im Gelände hat das Fahrzeug seine Aufgabe auf Anhieb hervorragend gemeistert – etwas, das die Kollegen von Professional Van eindrucksvoll testen konnten.
Der Offroad-Modus wird durch Gedrückthalten eines Schalters am Dach aktiviert. Er verändert mechanisch nichts, deaktiviert jedoch die Start-Stopp-Automatik, die Parksensoren und die Erinnerungen an das Anlegen des Sicherheitsgurts. In wirklich anspruchsvollem Gelände müssen, sofern vorhanden, zusätzlich die vorderen und hinteren Differenzialsperren aktiviert werden.
Die meisten Geländeabschnitte bewältigt man jedoch auch ohne diese Funktionen, denn der große Ineos kann praktisch überall hinfahren (zumindest in Großbritannien). Er wurde auf Strecken mit Wasser, Schotter, schlammigen Abfahrten und vereisten Waldwegen getestet. Die wohl beängstigendste Herausforderung war ein nasser, grasbewachsener Hang – doch auch diesen meisterte der Grenadier problemlos.
Auch der Wechsel vom Diesel- zum Benzinmotor machte keinen großen Unterschied. Beide Motoren bieten ein gutes Drehmomentniveau (550 Nm gegenüber 450 Nm) und reagieren ähnlich schnell auf Gasbefehle.
Uns hat gefallen, was wir gelesen haben. Und wenn wir die Gelegenheit bekommen, selbst einen solchen Grenadier zu fahren, werden wir diese definitiv nicht ausschlagen.
Quelle: Professionalvan.com